Auswandern trotz Corona

Auswandern während Corona - meine Erfahrung auf den Kanaren, Spanien

Die Corona-Krise zeigt ihre Folgen beim Auswandern.

Zuerst wurden hastig die Grenzen geschlossen. Damit wurden die Pläne vieler Auswanderer zunächst praktisch unmöglich.

Dann gingen die Grenzen (nur teilweise) wieder auf. Mittlerweile ist es damit grundsätzlich möglich, zumindest in einige Länder auszuwandern.

Doch das Corona-Virus sorgt weiterhin für Einschränkungen.

Einerseits sind es die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die es schwierig machen, sich im Ausland eine Existenz aufzubauen. Andererseits herrscht Unsicherheit – es ist schwierig zu planen.

Ich habe mich dennoch entschieden, auszuwandern.

Wohin überhaupt noch Auswandern?

Die Grenzen einiger Ländern sind wieder offen – auch für Auswanderer.

Dennoch muss man sich mehr Bürokratie herumschlagen:

  • Visumverfahren (sofern erforderlich) sind komplizierter.
  • Manch ein Land verlangt einen PCR-Test oder Antigen-Test bei Einreise.
  • Auch Quarantäne-Maßnahmen sind üblich, so dass man z.B. die ersten 14 Tage als Auswanderer in Quarantäne verbringen muss.
  • Einschränkungen bei der Anreise gibt es weiterhin – z.B. reduzierter Flugverkehr.

So hat sich in Europa die Karte auf reopen.europa.eu, der Webseite der EU mit aktuellen Reisebeschränkungen, zuletzt wieder rot gefärbt.

Innerhalb von Europa und in typische Auswanderer-Länder wie Spanien kann man prinzipiell weiterhin reisen und damit auch Pläne zur Auswanderung umsetzen.

Die Frage, die man sich Stellen muss, ist aber: Ist es der richtige Zeitpunkt, um auszuwandern?

Weltweite Ziele für Auswanderer handhaben das anders. In einigen Ländern ist die Einreise generell verboten.

Existenz und Geld verdienen in Zeiten von Corona

Neben dem Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder die Krankheit in ein anderes Land einzuschleppen, sind die wirtschaftlichen Verwerfungen vermutlich das größere Risiko für Auswanderer.

Einzig die Gruppe der Privatier und Millionäre bleibt hier außen vor.

Wer mit reichlich Vermögen auswandert, wird von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise kaum tangiert.

Für Rentner und Pensionäre, die über stabile Alterseinkünfte versorgen, fällt das finanzielle Risiko beim Auswandern in Zeiten von Corona ebenfalls überschaubar aus.

Wer stark betroffen ist, sind berufstätige Auswanderer. Denn wer aktuell im Ausland Arbeit als Angestellter sucht oder sich ein selbständige Existenz aufbauen möchte, der wird es schwieriger haben.

In einigen Fällen mag es dennoch klappen.

Ein Finanzplan und entsprechende Rücklagen sind Zeiten von Corona noch wichtiger geworden.

Auswandern auf die Kanaren

Auswandern nach Spanien und auf die Kanaren

Erfahrungen – Auswandern auf die Kanaren

Zum Zeitpunkt als ich in Spanien ankam, war eigentlich alles recht normal.

Bis auf die Tatsache, dass ich den Flughafen Madrid-Barajas noch nie so lehr gesehen habe. Und die vielen  FFP2-Masken, Desinfektionsgel überall sowie eine gedrückte Stimmung.

Was ich meine, ist dass ich die Schritte des Auswanderns ohne große Einschränkungen durchlaufen konnte.

  • NIE-Nummer beantragen (Ausländernummer)
  • Gang zum Rathaus für das „Empadronamiento“ (in etwa Meldebescheinigung)
  • Anmeldung bei den Finanzbehörden und in der Sozialversicherung
  • „Residencia“ (Ciudadano de la Unión) beantragen
  • Konto bei einer hiesigen Bank eröffnen
  • Auto anmelden
  • Versicherungen abschließen
  • … und so weiter und so fort

Die Behörden sind offen und arbeiten normal. Für Unternehmen gilt das Gleiche.

Zu Gute mag mir gekommen sein, dass ich Kanaren-Auswanderer bin. Anderswo in Spanien mag es umfangreichere Einschränkungen geben.

Wirtschaftliche Situation auf den Kanaren

Zumindest auf meiner Insel gab es bis zuletzt kaum Corona-Fälle.

Die Regierung der Autonomen Region der Kanarischen Insel stellt eine interaktive Karte mit aktuellem epidemiologischem Zahlenmaterial bereit.

Nun gilt es aber zu bedenken, dass die Wirtschaft auf den Kanaren in etwa so gegliedert ist:

  • Tourismus
  • sonstiger Dienstleistungssektor
  • Landwirtschaft

Zwar versucht man den Tourismus weiterhin zu ermöglichen. Dennoch ist der für den Arbeitsmarkt so wichtige Sektor ordentlich in Schieflage geraten.

Schon vor der Pandemie betrug die Arbeitslosenquote auf den Kanaren ca. 25%.

Das größte Hotel auf der Insel, La Palma Teneguia Princes (ca. 400 Zimmer) ist z.B. seit Monaten geschlossen und will erst im März 2021 wieder öffnen.

Man dürfte ja aufmachen – nur die Nachfrage scheint schlichtweg nicht da zu sein.

Die meisten Mitarbeiter dürften in ERTE (Expediente Temporal de Regulación de Empleo – der spanischen Version der Kurzarbeit) sein.

Einige andere Hotels auf der Kanareninsel sind geöffnet, jedoch steppt hier nicht gerade der Bär.

Auch die Gastronomie ist Betroffen. Mein einstiges Lieblingsrestaurant im Ferienort Los Cancajos war zunächst „bis auf Weiteres“ geschlossen – ebenfalls seit Monaten.

Worauf ich hinaus will – für Auswanderer dürfte es vergeudete Lebenszeit sein, derzeit Bewerbungen an touristische Unternehmen in Spanien und auf den Kanaren zu verschicken.

Der psychologische Faktor

Zum erfolgreichen Auswandern gehört auch immer Optimismus dazu.

Schon zu Zeiten vor Corona stößt man in Expat-Foren, Facebook-Auswanderer-Gruppen usw. häufig auf Auslandsresidenten, die den mahnenden Finger erheben: So einfach ist das alles nicht.

Das mag nützlich sein, denn so kann sich jeder Auswanderwillige noch einmal überlegen, ob es wirklich der richtige Schritt ist.

Jetzt zu Zeiten der Corona-Pandemie ist der negative Tenor natürlich noch einmal ein anderer.

Man liest in Medien von steigenden Corona-Fallzahlen, höherer Arbeitslosigkeit, dramatisch verlaufender Infektionen, gescheiterten Existenzen und weiterer Einzelschicksale.

Im persönlichen Umfeld registriert man vermutlich auch vermehrt Verunsicherung, Sorge und vielleicht sogar Angst.

Mit meinem Erfahrungsbericht zum Thema Auswandern zu Zeiten von Corona bin ich letztlich auch keine Ausnahme.

Auf die erschwerten Rahmenbedingungen weiße ich hin und möchte auch jeden Bitten, sich die Frage zu Stellen, ob es jetzt der richtige Zeitpunkt zum Auswandern ist.

Wer sich trotz allem dazu entscheidet, zu Zeiten von Corona auszuwandern, muss sich dem Stellen.

Das ist der psychologische Faktor für mich. Denn wer den Kopf in den Sand steckt, die Chancen in der neuen Heimat plötzlich ganz schlecht bewertet, der hat entweder vor dem Auswandern die Dinge falsch eingeschätzt oder den Optimismus verloren.

Und ohne Optimismus geht es nicht.

Auswandern trotz Corona

Auswandern unter erschwerten Bedingungen

Nach den massenhaften Grenzschließungen im Frühjahr ist es einigen Ländern technisch wieder möglich, als Auswanderer einzureisen.

Wer sich im jeweiligen Zielland eine Existenz aufbauen möchte, hat es jedoch schwierig.

Die Corona-Krise ist auch eine Wirtschaftskrise mit unterschiedlichen Auswirkungen je nach Land. Entziehen kann man sich dem jedoch kaum.

Ob aktuell ein guter Zeitpunkt zum Auswandern ist, überlegt man sich deshalb lieber genau.

Ich habe mich entschieden, es dennoch zu machen. Ob es die richtige Entscheidung war, kann ich freilich erst in einigen Jahren beurteilen. Bislang will ich mich jedoch nicht beklagen.

Auch aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis kenne ich jedoch auch andere Erfahrungsberichte.

Job verloren oder selbständige Existenz aufgegeben, Ersparnisse (fast) aufgebraucht. Auch das sind Erfahrungen, die einem Auswanderer zu Zeiten von Corona blühen können.

Fast zehn Jahre als Unternehmer erfolgreich im Ausland – dann kam Corona. So hörte ich es erst vor einigen Tagen wieder.

Über Patrick

Hallo, ich bin Patrick. Viele Länder habe ich bereits bereist. Hier gebe ich Tipps zum Leben im Ausland und einen Überblick darüber, welche Lebenshaltungskosten in Ländern weltweit vorherrschen. Das soll Auswanderern und Globetrotter-Reisenden bei der Planung von Auslandsaufenthalten helfen.

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